Der neue Personalausweis

Schritt für Schritt - So werden Sie Identifizierungsdiensteanbieter

Das am 15. Juli 2017 (größtenteils) in Kraft getretene Gesetz zur Förderung des elektronischen Identitätsnachweises hält zahlreiche Neuerungen bereit. So gibt es jetzt die Möglichkeit der Zulassung als sogenannter Identifizierungsdiensteanbieter.

Sie sind ein Identifizierungsdiensteanbieter, wenn Ihr Dienst darin besteht, dass Sie

  • für einen Dritten
  • eine einzelfallbezogene Identifizierungsdienstleistung
  • mithilfe der eID-Funktion des Personalausweises oder des elektronischen Aufenthaltstitels erbringen (§ 2 Abs. 3a PAuswG).

Wichtig ist dabei, dass es sich um einen einzelfallbezogene Identifizierung handeln muss. Planmäßig wiederholt vorgenommene Identifizierung für ein- und denselben Auftraggeber, wie es beispielsweise im Rahmen eines Login- bzw. Account-Managements der Fall ist, ist davon ausgenommen.

Bevor Sie Ihren Dienst anbieten, müssen Sie bei der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) des Bundesverwaltungsamtes eine Berechtigung beantragen.

Im Folgenden lesen Sie, wie Sie selbst die einzelnen Schritte zum Identifizierungsdiensteanbieter absolvieren können. Sie haben aber auch die Möglichkeit, sich beim gesamten Prozess zur Nutzung der Online-Ausweisfunktion von eID-Service-Anbietern unterstützen zu lassen. Die Anbieter helfen bei der Beschaffung der Zertifikate und stellen bei Bedarf die vollständige Infrastruktur zur Verfügung.

Schritt für Schritt - So werden Sie Identifizierungsdiensteanbieter Schritt für Schritt - So werden Sie Identifizierungsdiensteanbieter

Die Umsetzungsschritte

1. Dienst konzipieren

Dabei legen Sie u. a. fest, welche Datenfelder aus dem Personalausweis oder dem elektronischen Aufenthaltstitel Sie auf Basis der Anforderungen Ihrer Kunden für den elektronischen Identitätsnachweis benötigen, z. B. Vornamen, Familiennamen und Geburtsdatum. Die Liste der auf dem Chip gespeicherten Daten finden Sie in § 18 Abs. 3 PAuswG.

2. Eigenen eID-Server einrichten oder eID-Service-Provider auswählen

Sie können entweder einen eigenen eID-Server betreiben oder einen Dienstleister als eID-Service-Provider auswählen. Diese Entscheidung ist für die notwendige Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (s. u. 4.) relevant.

3. Anbindung des Dienstes zum eID-Server implementieren

Für die Kommunikation zwischen Ihrem Dienst und dem eID-Server kann die eID-Schnittstelle oder die SAML-Anbindung genutzt werden. Dies hängt vom jeweiligen eID-Server ab. Diensteanbieter sollten sich bei ihrem eID-Service-Provider informieren, wie die eID-Anbindung technisch erfolgt und welche Software-Unterstützung für welche Plattformen bereitgestellt wird.

4. Zertifizierung absolvieren

Als Identifizierungsdiensteanbieter müssen Sie die Einhaltung der Vorgaben aus § 29 Abs. 2 Personalausweisverordnung (PAuswV) durch ein Zertifikat des Bundesamtes für Informationssicherheit (BSI) nachweisen. Konkret bedeutet das, dass Sie eine Zertifizierung gemäß der Technischen Richtlinie TR-03128-2 des BSI durchlaufen müssen. Im Zuge dieser Zertifizierung wird von einer neutralen Stelle eine Konformitätsprüfung auf Grundlage der in der TR-03128-2 definierten Anforderungen durchgeführt. Diese Konformitätsprüfungen können von „Zertifizierten ISO 27001-Auditoren für Audits auf der Basis von IT-Grundschutz (Auditteamleiter)“ durchgeführt werden. Eine aktuelle Liste der zertifizierten Auditoren finden Sie hier.

Da die Zertifizierung nach TR-03128-2 u. a. den selbst betriebenen oder beauftragten eID-Server umfasst, sollten Sie dies in letzterem Fall frühzeitig mit Ihrem eID-Service-Anbieter abstimmen.
Weitere Informationen und Kontakt finden Sie auf der Internetseite der Zertifizierungsstelle des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.

Wichtig zu wissen

  • Sie müssen die Zertifizierung beim BSI vor Abgabe des Antrages bei der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) abgeschlossen haben.

5. Berechtigung beantragen

Nach erfolgreichem Abschluss der Zertifizierung nach TR-03128-2 können Sie den Antrag auf Erteilung eines Berechtigungszertifikates bei der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) stellen.
Nach §§ 21b, 21 Abs. 2 PAuswG erteilt Ihnen die Vergabestelle für Berechtigungszertifikate die Berechtigung, wenn Sie:

  1. der Vergabestelle die Identität des Identifizierungsdiensteanbieters mitteilen und nachweisen,
  2. das dem Antrag zu Grunde liegende Interesse an einer organisationsbezogenen Nutzung der Online-Ausweisfunktion kurz darlegen,
  3. den Zertifizierungsprozess nach TR-03128-2 erfolgreich durchlaufen haben (s. o.) und ein entsprechendes Zertifikat vorlegen,
  4. die Einhaltung des betrieblichen Datenschutzes versichern und
  5. der Vergabestelle keine Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Verwendung der Daten vorliegen.

Den Antrag können Sie schriftlich einreichen. Die Formulare der VfB finden Sie im Downloadbereich auf dieser Seite.

Sobald die Vergabestelle für Berechtigungszertifikate Ihnen das Zertifikat erteilt hat, wird diese Information auf der Liste aller erteilten gültigen Berechtigungen veröffentlicht.

6. Anbieter für das technische Berechtigungszertifikat auswählen und einbinden

Nach der positiven Rückmeldung der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate wählen Sie einen Berechtigungszertifikate-Anbieter (BerCA, "Zertifikateanbieter") für die Bereitstellung des technischen Berechtigungszertifikats und schließen Sie dort einen Vertrag ab.

Ihr eID-Server bzw. eID-Service-Provider muss die Anbindung an den ausgewählten Berechtigungszertifikate-Anbieter unterstützen, da die neuen Berechtigungszertifikate und Sperrlisten regelmäßig online bereitgestellt werden.

7. Dienst betreiben

Es muss sichergestellt sein, dass sich die Authentisierung durch die eID-Funktion mit der AusweisApp2 durchführen lässt. Mehr über den Vorgang der gegenseitigen Authentisierung zwischen Diensteanbieter und Nutzern erfahren Sie unter "Technischer Ablauf der Online-Ausweisfunktion".

Weiterführende Informationen zu technischen Anbindungen finden Sie hier.

Haben Sie weitere Fragen?

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die Vergabestelle für Berechtigungszertifikate, deren Kontaktdaten Sie auf dieser Seite finden.